15 Jahre langfristige ökologische
Waldentwicklung
Das LÖWE-Programm
LÖWE Ziele
Vorwort
Rechts seit drei Jahren für unseren Landeswald verantwort-
lich zeichnen, eine eindrucksvolle Bilanz.
Darüber hinaus wurden seit 1991 neue Anforderungen
an den Wald gestellt, unter anderem der Wasser- und der
Klimaschutz, das europäische Schutzgebietsprogramm Na-
tura 2000, die forstliche Zertifizierung und die gesteigerte
Nachfrage nach dem Rohstoff Holz.
Das LÖWE-Programm schafft den Rahmen, diese und zu-
künftige Herausforderungen zu meistern. Es bietet die
Gewähr, im gesellschaftlichen Spannungsfeld einen har-
monischen Ausgleich zwischen den zunehmenden öko-
logischen und ökonomischen Anforderungen an den
Landeswald zu schaffen.
Fünfzehn Jahre sind im Leben eines Baumes nur eine
kurze Episode. Doch schon jetzt kann sich unsere LÖWE-
Bilanz sehen lassen und viele Erfolge vorweisen. Wer heute
mit offenen Augen durch den Wald geht, sieht mehr junge
Buchen und Eichen wachsen, die Mischbestände nehmen
zu. Durch konsequente Durchforstung und Pflege wird
die neue Waldgeneration stabiler aufwachsen und gegen
Stürme und Klimaänderungen besser gewappnet sein als
mancher Reinbestand aus der Nachkriegszeit.
„Wer heute einen Baum pflanzt, kann nicht davon aus-
gehen, dass er morgen in seinem Schatten sitzen kann“, hat
ein kluger französischer Schriftsteller einmal formuliert.
Langfristigkeit braucht Geduld und einen langen Atem.
Deshalb wird die Weiterentwicklung des Landeswaldes
Liebe Leserinnen und Leser,
nie abgeschlossen sein und eine ständige und lohnende
Aufgabe für die Waldspezialisten der NLF bleiben. Die
unser niedersächsischer Wald ist ein besonders naturnahes
Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt als zentrale
und prägendes Landschaftselement.
Forschungs- und Beratungsstelle in Niedersachsen wird die
Die langfristige Erhaltung und Weiterentwicklung seiner
Niedersächsischen Landesforsten auf ihrem Weg wissen-
vielfältigen Leistungen und Funktionen auf ökologischer
schaftlich und fachlich begleiten.
Grundlage sind ein wichtiger Beitrag zum Schutz unserer
natürlichen Lebensgrundlagen und zukunftsweisende Ver-
Sie, liebe Leserinnen und Leser, kommende Generationen
pflichtung für eine verantwortungsvolle und nachhaltig
und unser Landeswald werden davon profitieren.
ausgerichtete Gesellschaft.
Deshalb hat die Landesregierung vor 15 Jahren das nie-
dersächsische Programm zur langfristigen ökologischen
Ihr
Waldentwicklung in den Landesforsten (LÖWE) beschlossen
und damit den Landeswald stärker in die Verantwortung
genommen als andere Waldbesitzarten. Sie hat der
Landesforstverwaltung damit ein zukunftsorientiertes, in
13 Grundsätzen prägnant dargestelltes Instrumentarium
forstlichen Wirkens als verbindliche Richtschnur an die
Hand gegeben.
Hans-Heinrich Ehlen
Mit der vorliegenden Broschüre ziehen die Niedersäch-
Niedersächsischer Minister für den ländlichen Raum,
sischen Landesforsten (NLF), die als Anstalt öffentlichen
Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Ziele
Regierungsprogramm LÖWE
„Der Landeswald ist zum Wohl der Allgemeinheit, insbe-
Grundsätzlich sind die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunk­
sondere unter Beachtung des Nachhaltigkeitsgrundsatzes,
tionen des Landeswaldes gleichrangig. Sie können auf
zu bewirtschaften.
Dauer nur dann in optimaler Weise verwirklicht werden,
Die Niedersächsischen Landesforsten
wenn die waldbaulichen Ziele und Methoden mit den
1. haben einen angemessenen Baumbestand zu erhalten,
ökologischen Möglichkeiten übereinstimmen. Somit
den Wald naturnah zu bewirtschaften und die Erzeug-
unterliegt der LÖWE- Waldbau stets einem Abwägungs-
nisse des Waldes wirtschaftlich zu verwerten,
prozess zwischen den multifunktionalen Ansprüchen des
2.haben die Schutzfunktion und die Erholungsfunktion des
Waldes und den Wechselwirkungen der natürlichen klima­
Landeswaldes zu fördern,
tischen, biologischen und standörtlichen Bedingungen.
3.sollen die Öffentlichkeit über die vielfältigen Wirkungen
Der zielgerichtete Waldbau ist nicht denkbar ohne enge
des Waldes durch Bildungs- und Erziehungsarbeit unter-
Bindung an ökologische Grundlagen. In dem Maße wie die
richten.“ ( §15 Abs. 4 Niedersächsisches Gesetz über den
Waldökosysteme in ihren Gesetzmäßigkeiten erkannt und
Wald und die Landschaftsordnung - NWaldLG ).
gesteuert werden können, lassen sich Produktionsrisiken
In der Satzung vom 06.06.2005 haben sich die NLF zur
vermindern und Wälder in ihrem Naturschutzwert erhalten
Umsetzung der Ziele und Grundsätze des Regierungs-
und verbessern.
programms LÖWE verpflichtet: Die Bewirtschaftung des
Landeswaldes richtet sich nach den Grundsätzen einer ord-
Der Landeswald ist also in nachhaltiger und wirtschaftlicher
nungsgemäßen und naturnahen Forstwirtschaft und dem
Weise durch eine umfassende Pflege der Waldökosysteme
Regierungsprogramm zur „Langfristigen Ökologischen
so fortzuentwickeln, dass im Interesse des Allgemeinwohls
Waldentwicklung“ (Geschäftsgrundsatz 3 der Satzung der
seine Leistungsfähigkeit und Nutzbarkeit dauerhaft ge­
Anstalt Niedersächsische Landesforsten).
sichert werden.
Artenreicher Mischwald mit
LÖWE Ziele
toffe
Ausgangssituation
Der vorgefundene Wald ist im Anhalt an verschiedene Leit-
Ein naturnah ausgerichteter Waldbau eröffnet die Möglich-
bilder (Waldentwicklungstypen) so zu entwickeln, dass in
keit, die ökologischen Ansprüche im Wald mit den ökono-
Anpassung an die jeweilige Standortkraft ertrag-, struktur-
mischen Zielen einer nachhaltigen Waldwirtschaft auf der
und artenreiche Wälder entstehen. Das Arteninventar der
gesamten Fläche des Landeswaldes zu verbinden. LÖWE
natürlichen Waldgesellschaften soll regional angemessen
setzt also auf Integration und nicht auf Abgrenzung. Der
vertreten sein.
Blick und das Handeln im Landeswald richten sich auf die
Gesamtheit des Waldökosystems. Ein noch so fein erdachtes
Das historische Erbe, regionale und lokale Besonderheiten,
Vernetzungssystem kann niemals so wirkungsvoll sein wie
sowie wirtschaftliche und
ein auf ganzer Fläche nach
technische Gegebenheiten
Der königlich hannoversche Oberforstrat Karl Augustin Wächter
ökologischen Standards auf-
schrieb dazu 1833 im Hannoverschen Magazin:
können auf dem Weg zu den
gebautes Waldökosystem.
angestrebten Leitbildern
„Für jetzt kann indessen der Waldbau im Allgemeinen
Genau diesen Ansatz bietet
Zwischenlösungen erforder-
keine andere Richtung als auf Nadelholz nehmen, der
LÖWE mit seinem integrie­
lich machen. Insbesondere
Boden ist für Laubholz nicht mehr recht empfänglich;
renden Naturschutz auf der
Aufforstungen der Heiden
späte Nachkommen mögen sehen, ob bei ganz ver-
gesamten Fläche der Landes­
und verlichteten Hudewälder
änderten und überaus wohlwollenden Verhältnissen
forsten, das sind immerhin
im 19. Jahrhundert sowie der
aus dem kleinen Kerne von Laubholz dereinst wieder
340 000 Hektar und damit
großen Kahlschläge in Folge
einmal ein Laubwald, wie ein Phönix aus der Asche,
ein Drittel der gesamten
des 1. und 2. Weltkrieges,
emporsteigen könne …“
Waldfläche in Niedersachsen.
der Sturmflächen von 1972,
der Waldbrandflächen von 1975 / 76 sowie die vorherr-
Das forstliche Handeln zielt dabei darauf ab, einen in sich
schenden Waldackerbauweisen der 60er Jahre ließen über-
gesunden und gegen äußere Einflüsse möglichst wider-
wiegend einförmig aufgebaute, gleichaltrige, oft labile
standsfähigen Wald zu erhalten oder zu entwickeln.
Reinbestände insbesondere aus Nadelbäumen entstehen.
Diese neu entstandenen Wälder auf den durch Heide und
Der Niedersächsische Landeswald ist naturnah, mit einer
Plaggennutzung geschädigten Böden erlaubten fast aus-
möglichst hohen ökologischen Vielfalt, einer hohen
nahmslos nur Nadelbäume.
Erholungseignung und einer nachhaltigen Holzproduktion
zu bewirtschaften. Die nachhaltige Holznutzung der hei-
Integration aller Funktionen
mischen Wälder entnimmt aber nicht mehr Holz als nach-
Der Wald als naturnächster Teil unserer Kulturlandschaft
wächst. Im Landeswald wird deswegen zurzeit nur etwa
trägt wesentlich zur Sicherung der natürlichen Lebens-
75 bis 80 % des jährlichen Zuwachses genutzt.
grundlagen Boden, Wasser, Luft, Klima, Tier- und Pflanzen-
Zeitgleich mit der wachsenden Bedeutung der Schutz-
welt bei.
und Erholungsfunktionen in den letzten Jahrzehnten hat
5
in kargem Boden
Wo durch den R
Erste Erfolge
die Nutzfunktion eine wichtige und zunehmende volkswirt-
Nach 15 Jahren LÖWE-Waldbau, also nach einer halben
schaftliche Bedeutung bekommen. Nach aktuellen Unter-
Menschengeneration, steigt der Mischwald der Zukunft in
suchungen sind im Forst- und Holzsektor mehr Menschen
allen Landesteilen wie der vorhergesagte Phönix aus der
als in der Automobil- oder Chemieindustrie beschäftigt.
Asche empor. Das wird besonders deutlich sichtbar in den
Die Wertschätzung der einzelnen Funktionen durch die
großen Nadelwaldgebieten der Heide und des Harzes.
Gesellschaft und den Waldeigentümer wechselt stark inner­
Die nachfolgenden Kennzahlen für die 340 000 ha
halb des 60 bis 200 Jahre währenden Lebens eines Wald­
Landeswald geben einen groben Eindruck vom bisherigen
bestandes.
Waldwandel (s. Tabelle).
Entsprechend müssen zu ihrer nachhaltigen Sicherung
grundsätzlich alle Funktionen im Mehrzweckwald beachtet
Erfolge nach 15 Jahren LÖWE-Waldbau
werden. Der Waldbau nach LÖWE-Grundsätzen ermöglicht
langfr.
eine weitgehende Harmonie der Waldfunktionen.
1991
2006
Ziel
Aus diesem Grund soll am jeweiligen Standort eine
Mischbestände
45 %
67 %
90 %
mögliche Mischungs- und Strukturvielfalt aus standort­
Mischbestände
gerechten Baumarten entwickelt und gefördert werden.
31 %
56 %
65 %
mit Laubbaumbeteiligung
Laubbaumanteil des Nachwuchs
52 %
75 %
65 %
Verjüngung unter Altbestands-
60 %
95 %
95 %
schirm (ohne Kahlschlag)
Naturverjüngungsanteil am Nach-
32 %
50 %
75 %
wuchs (statt Pflanzung, Saat)
Grundsätze der langfris-
Vorrat an Derbholz
in Vorratsfestmeter insg.
64 Mio
79 Mio
85 Mio
tigen Waldentwicklung
in Vorratsfestmeter je ha
200 VFm
257 VFm
250 VFm -
280 VFm
Die langfristige ökologische Waldentwicklung gliedert
Nachhaltshiebssatz
sich in 13 Grundsätze. Auf den kommenden Seiten wird
4,6 EFm
5,8 EFm
7,5 EFm
in Erntefestmeter je ha
jeder dieser Grundsätze einzeln betrachtet, dabei wer-
Zuwachs in Erntefestmeter je ha
6,3 EFm
7,3 EFm
8,0 EFm
den die Ausgangslage, die Veränderung und das Ziel dar-
Rückgang der Kosten gegenüber 1991
gestellt. Anfang des Jahres 2007 wurde der LÖWE-Erlass
Bestandesbegründung
- 69 %
aktualisiert und in seinen Zielen uneingeschränkt fort­
Jungwuchspflege, Läuterung
- 60 %
geschrieben. Er bildet somit weiterhin die Handlungsgrund-
Schutz gegen Wildschäden
- 67 %
lage für die Niedersächsischen Landesforsten.
6
LÖWE Standortgemäße Baumartenwahl
GRUNDSATZ
1 Bodenschutz und
standortgemäße Baumartenwahl
Der Boden ist Grundlage für die Stoff- und Wasserumsätze
Die Niedersächsischen Landesforsten arbeiten mit den
des gesamten Waldökosystems und damit für das Waldwachs-
natürlich vorhandenen Voraussetzungen, d. h. die Böden
tum und den Wasserhaushalt von elementarer Bedeutung.
werden nicht künstlich z. B. durch Düngung verändert. Der
Der Schutz der Böden ist damit eine wesentliche Auf­
konsequente Schutz des Waldbodens sichert gleichzeitig
gabe für eine naturnah arbeitende Forstwirtschaft. Anders
die Bildung von hochwertigem Grundwasser, nicht zuletzt
als beispielsweise in der Landwirtschaft werden Waldböden
deshalb finden sich im Landeswald 107 583 ha Trinkwasser­
weder gedüngt noch mechanisch bearbeitet. Vorrangig gilt
schutzgebiete. Seit Einführung der LÖWE-Grundsätze wur-
es die natürliche Leistungskraft der Waldböden zu pflegen
den rund 1 500 ha Ackerbaufläche durch Aufforstung in
und zu erhalten, da sie den Ausgangspunkt für gesunde,
Trinkwasserwälder umgewandelt.
vielfältige und leistungsstarke Wälder bildet.
Auf ihnen werden standortangepasste Baumarten ein-
Andere Waldnutzungsformen wie z. B. die Heide- und
gesetzt, die das Bodenpotential ausnutzen ohne dabei die
Viehwirtschaft, sowie neuartige Waldschäden haben
Böden negativ zu beeinflussen.
teilweise stark gestörte Waldböden hinterlassen, deren
natürliche Regeneration zum Teil noch viele Jahrzehnte
andauern wird.
Abb. 1: Baumartenanteile im Landeswald
Anteil 1990
Anteil 2006
Anteil 2040
langfristig nach LÖWE
70,0
Bisher erreichte Ergebnisse
60,0
Der Boden wird im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten sehr
50,0
viel schonender behandelt, die Sensibilität für den Boden-
schutz in der Forstwirtschaft hat mit LÖWE sehr viel stärker
40,0
zugenommen. Ganzflächige Bodenvorbereitungen für
30,0
Pflanzungen oder Saaten sind nur noch selten notwendig.
20,0
Das flächige Befahren bei der Holzernte ist heute gänzlich
verboten, Holzernte- und Rückemaschinen dürfen sich nur
10,0
noch auf den dafür vorgesehenen Gassen bewegen.
0,0
Die hohen Einträge von Luftschadstoffen machen ins­
Eiche
Buche
Alh.1
Aln.2
Laub-
Fichte Douglasie Kiefer
Lärche Nadel-
bäume
bäume
besondere auf den basenarmen Standorten eine regel­
1 Andere Laubhölzer mit hoher Umtriebszeit, 2 Andere Laubhölzer mit niedriger Umtriebszeit
mäßige Bodenschutzkalkung notwendig. In den letzten
Eichen und Kiefern sind in der Heide standort
Landeswald ausgewiesen und in der Waldschutzgebiets­
ausweisung berücksichtigt. Aktuell sind rund 300 000 ha
von insgesamt ca. 340 000 Landeswaldflächen kartiert und
digital erfasst, bis 2010 werden die noch ausstehenden
Flächen abschließend kartiert sein. Die Landesforsten ver-
fügen dann über eine flächendeckende Aussage über die
Eigenschaften ihrer Waldböden und können so vor Ort die
richtigen Entscheidungen für die Wälder von Morgen tref-
fen.
Wissenswertes
Der natürlich gewachsene Boden einschließlich des Hu-
muskörpers ist in seiner standortgebundenen Vielfalt
Das Bodenprofil gibt Aufschluss über den Standort
ein unschätzbarer Lebensraum für Pflanzen und Tiere
sowie ein wertvolles Naturgut als Archiv Jahrtausende
langer Entwicklung. Die alten Waldstandorte, die stän-
10 Jahren wurden allein 68 000 ha gekalkt, wobei es sich in
dig bewaldet waren und nicht tiefgreifend bearbeitet
vielen Fällen um Wiederholungskalkungen handelte. Die
wurden, sind im niedersächsischen Tiefland selten und
Kalkungen vermögen allerdings keine Verminderung der
besonders schutzwürdig.
Säuregehalte in den Böden, sondern sie verhindern ein wei-
In großräumig durch Luftschadstoffe versauerten
teres Absinken der pH-Werte, d. h., dass der oberflächige
Waldböden sind Bodenschutzkalkungen zur Abpuffe­
aufgetragene Kalk als Puffer dient.
rung weiterer Versauerungen erforderlich. Weiter-
gehende Störungen z. B. durch Schwermetalleinträge
Die forstliche Standortskartierung ist die Schlüsseldisziplin
sowie die Grenzen zur Wiederherstellung geschädigter
für den Bodenschutz. Sie erkundet Boden, Klima und
Böden zeichnen sich ab.
Vegetation im Hinblick auf die unterschiedlichen Wuchs­
Nach allen Erfahrungen sind Wälder, in denen die
bedingungen für das Waldwachstum. Daraus werden für
arteigenen Ansprüche der verschiedenen Baumarten
jeden Standort mögliche Baumartenzusammensetzungen
mit dem Angebot des Standortes (Klima, Boden, Tier-
(Waldentwicklungstypen) abgeleitet. Die von Natur aus
und sonstige Pflanzenwelt) besonders gut übereinstim-
hier wachsenden Baumarten werden in hohen Mischungs­
men, vitaler und damit weniger z. B. durch Trockenheit,
anteilen berücksichtigt. Die Richtlinie zur Baumartenwahl
Sturm, Insekten und Pilze gefährdet. Standortgemäße
im Landeswald von 2004 ist eine wichtige Handlungsemp-
Baumarten erschließen die Böden mit ihrem Wurzel-
fehlung für die Niedersächsischen Forstämter. Im Zuge
werk und erhalten bzw. verbessern deren Bodenkraft.
der Kartierung werden auch die alten Waldstandorte im
LÖWE Laub- und Mischwaldvermehrung
GRUNDSATZ
2 Laub- und Mischwaldvermehrung
Ein zentrales Ziel von LÖWE ist der kontinuierliche Aufbau
von Mischwäldern, d. h. die großen Reinbestände aus
Kiefer, Fichte aber auch Buche werden sich in den nächsten
Jahrzehnten auf den entsprechenden Standorten zu
Mischwäldern verwandeln. Es werden Wälder mit einer
größtmöglichen Artenvielfalt entstehen. Orientiert an den
jeweiligen ökologischen Verhältnissen genießt der Laub-
mischwald Vorrang.
Abb. 2: Veränderung der Laubbaumanteile nach LÖWE
in den Planungsregionen
Angaben in % der
Holzbodenfläche
1990
Qualitätsgeprüfte Buchensamen werden in der Forstsaatgutstelle
2006
gesammelt und für künftige Anpflanzungen aufbewahrt
50
2040
33 34
8
8
Niedersächsischer
Der Waldbau der Landesforsten wird die auf den Stand-
Küstenraum
orten freisetzbare Biodiversität der Baumarten, sonstigen
43
31
33
7
Pflanzen und Tiere bestmöglich verwirklichen. In Mischwäl-
6
Süd-Ostnds.
dern findet sich diese Vielfalt im besonderen Maße. Sie
6
Tiefland
82
waren vor dem Beginn der mittelalterlichen Rodungs- und
70 73
38
26 27
4
Waldverwüstungsperioden, mit Ausnahme der Harzhoch­
7
5
4
5
71
lagen, die natürlichen Waldgesellschaften.
Mittel-Westnds.
59 62
Berglandschwelle
Tiefland und
Hohe Heide
39
4
21 24
3
Weserbergland
3
Reinbestände von Laub- und Nadelbaumarten werden nur
63
Niedersächsischer
52 54
2
Harz
noch in den von Natur aus extremen Standorten zu finden
51
75 79
38
40
1
70
1
sein. Die Klima- und Bodenbedingungen erlauben es, dass
Solling, Bramwald,
Kaufunger Wald
sich auf 9/10 der Fläche der Landesforsten Mischwälder ent-
Landesforsten
2
insgesamt
Hügelland zw.
Solling und Harz
wickeln. Nur 1/10 der Standorte ist so arm oder so extrem,
dass auf ihnen auch in Zukunft ausschließlich Reinbestände
9
Mischwäl
Baumarten mischen
wachsen werden. Der Anteil der Laubbaumarten betrug
Abb. 3: Veränderung der Verjüngung*
im Landeswald vor Beginn von LÖWE 31 %. Langfristig sind
* aus Naturverjüngung und Pflanzung
65 % angestrebt. Dagegen werden Nadelbaumarten sich
60 000
Naturver-
jüngung
gegenläufig in der Zeitspanne von 100 - 150 Jahren von
Lärche
50 000
69 % auf 35 % verringern.
Kiefer
Douglasie
Dies bezieht sich auf den Gesamtbetrieb, regional kann
40 000
Fichte
es jedoch durchaus zu Abweichungen aufgrund der stand­
Aln.2
örtlichen Bedingungen kommen.
30 000
Alh.1
Buche
20 000
Eiche
Wissenswertes
10 000
Reinbestände sind nicht immer unnatürlich. Wälder in
0
extrem rauen Berglagen, z. B. die Fichtenwälder des
1 -10
11 - 20
21 - 30
31 - 40
41 - 50
51 - 60
Hochharzes oder auf anderen extremen Standorten,
Alter der Verjüngung [Jahre]
sind in Niedersachsen solche Besonderheiten.
1 Andere Laubhölzer mit hoher Umtriebszeit, 2 Andere Laubhölzer mit niedriger Umtriebszeit
Mischbestandsphasen dauern nicht unbegrenzt an,
so hat beispielsweise die Buche eine ausgeprägte Ten-
Bisher erreichte Ergebnisse
denz andere Baumarten mit ihrem Schatten auszudun-
Die Abbildung 2 zeigt sehr anschaulich, wie sich in den ver-
keln. In solchen Fällen führt nur die menschliche Pflege
schiedenen Waldbauregionen die Baumarten innerhalb des
zum Erhalt des Mischwaldes. Eine naturnahe Forstwirt-
Landeswaldes verändern werden, dabei ist 2040 erst ein
schaft muss also hier gegen die eigentliche Naturdyna-
Zwischenziel bis zum Erreichen der gänzlichen Ziele nach
mik eingreifen.
LÖWE. Unter Umständen werden im Hinblick auf den Klima­
wandel auch Modifikationen notwendig werden.
Mischwaldsysteme sind im Allgemeinen stabiler gegen­
In den letzten 15 bis 20 Jahren sind in den Landesforsten
über drohenden Gefahren. Die Stabilität der Wald­
überwiegend Laubbäume in der Verjüngungsphase der
bestände ist sowohl für die ökologische als auch für
Wälder bevorzugt worden. Dies wird in der Abbildung 3
die ökonomische Bewertung extrem wichtig. Daher
überaus deutlich. Sie zeigt, dass heutzutage ca. 80 % der
nehmen die Landesforsten bei der Baumartenwahl
gepflanzten Bäume Laubbäume sind. Auch in der Naturver-
auch geringere Zuwächse und Qualitäten in Kauf.
jüngung überwiegt der Anteil des Laubholzes. In den Jahr-
Die Entwicklung zu mehr Mischwald stellt einen
zehnten zuvor dominierte die Nadelbaumverjüngung.
langfristigen Prozess dar. Viele Bestände müssen erst
Der Mischwaldanteil stieg seit 1990 bis 2006 von 45 % auf
allmählich in ein umbau- und mischungsfähiges Alter
67 %, langfristig soll er sogar 90 % betragen. Mischwälder
einwachsen.
mit Laubbaumbeteiligung nahmen von 31 % auf 56 % zu,
sie sollen langfristig etwa 65 % der Waldfläche bestocken.
10
LÖWE Ökologische Zuträglichkeit
GRUNDSATZ
3 Ökologische Zuträglichkeit
Das in der natürlichen Waldentwicklung entstandene
Wissenswertes
Baumartenspektrum soll großräumig gefördert werden.
In Niedersachsen - wie im gesamten Mitteleuropa -
Das heimische Baumartenspektrum ist Ausdruck der, in
haben die Eiszeiten eine gravierende Artenverarmung
einer jeweiligen Region herrschenden Anpassung an
verursacht, viele Arten starben in den Kaltzeiten aus.
Klima- und Bodenverhältnisse und gibt damit auch die
Sicherheit, dass entsprechend aufgebaute Wälder relativ
Anforderungsprofil für fremdländische Baumarten in
stabil sind.
den Niedersächsischen Landesforsten:
a) Die Art muss standortgemäß sein, d. h. an Boden und
LÖWE setzt somit seinen Schwerpunkt auf die heimischen
Klima angepasst;
Baumarten. Allerdings ist eine behutsame Anreicherung
b) Die Art muss den Boden langfristig verbessern im
mit weiteren Arten denkbar, z. B. aus Gründen der Klima­
Sinne optimaler Stoffkreisläufe. Das betrifft sowohl
stabilität oder zur Holzproduktion. Mit dem Anbau fremd-
die Durchwurzelung des Mineralbodens als auch die
ländischer Baumarten gehen die Landesforsten aber sehr
Humusbildung und -umsetzung mit intakten Zerset-
vorsichtig um. Es werden nur Arten eingesetzt die die hei-
zer- und Mineralisiererketten;
mischen Waldökosysteme in ihrer Leistungsfähigkeit, Stabi­
c) Die Art darf keine Krankheiten verbreiten oder zu
lität und Elastizität nicht beeinträchtigen. Die Sicherheit
sonstigen Labilisierungen beitragen;
hierfür liefern langjährige Versuchsflächen.
d) Die Art selbst darf durch abiotische und biotische
Risiken nicht über ein Normalmaß hinaus gefährdet
Bisher erreichte Ergebnisse
sein;
In der konkreten Umsetzung von LÖWE ist für den Landes-
e) Die Art muss mischbar sein, d. h. sich mit einheimi-
wald festgelegt, dass in jedem Wuchsbezirk die heimischen
schen Faunen- und Florenelementen ökologisch ver-
Baumarten einen Flächenanteil von mindestens 50 % er-
binden lassen;
reichen sollen. Auch die weniger produktiven heimischen
f) Die Art muss sich selbst durch natürliche Verjüngung
Begleitbaumarten wie z. B. Ebereschen, Weiden, Birken und
erneuern lassen;
Zitterpappeln, behalten in der Verjüngungs- und Pflege-
g) Die Art soll möglichst in der Lage sein, in optimalen,
phase einen Flächenanteil von bis zu 20 %.
vertikal gestaffelten Waldstrukturen waldbaulich
geführt zu werden.
11
Zapfenform
Heimische
Nach mehr als hundertjährigen Anbauversuchen unzähliger
der Buche. Der Anteil der Douglasie hat sich seit 1990 von
fremdländischer Baumarten der forstlichen Versuchsanstal-
3 % rechnerisch nicht verändert. Langfristig ist ein Anteil
ten in Niedersachsen haben sich bisher vor allem die drei
von rund 10 % angestrebt. Die Anteile von Japanischer Lär-
Baumarten, Douglasie, Japanische Lärche und Roteiche als
che und Roteiche liegen heute und in Zukunft im Landes-
ökologisch zuträglich herausgestellt. Ihr Anbau erfolgt im-
wald jeweils unter 1%.
mer in Mischung mit heimischen Baumarten, vor allem mit
Die Douglasie ist an Boden und Klima angepasst und lässt sich in einheimischen Buchen- und Fichtenwäldern gut integrieren
12
LÖWE Natürliche Waldverjüngung
GRUNDSATZ
4
Bevorzugung natürlicher Waldverjüngung
Soweit der Landeswald nach Standortanpassung, Qualität
in einer einfach strukturierten, ungemischten Pionier- und
und Mischung bereits den forstlichen Leitbildern ent-
Übergangsphase. Die Überführung in naturnahe Mischwäl-
spricht, wird er bevorzugt aus natürlicher Ansamung der
der erfordert sehr häufig eine Pflanzung. Dabei sind ökolo­
Altbäume verjüngt. Der Niedersächsische Landeswald be-
gisch angepasste und genetisch gesicherte Saatgut- und
findet sich allerdings geschichtlich bedingt vielfach noch
Pflanzenherkünfte zu verwenden.
Junge Eichen vermehren sich eher selten und schwierig auf natürliche Weise
13
Junger Sp
Buchenblüten
Andererseits ergeben die noch weiterhin erforderlichen
Wissenswertes
Pflanzungen und Saaten im Zuge des Waldumbaus in den
Der Einsatz von Naturverjüngung kann nur dort statt-
nächsten Jahrhunderten die nicht wiederkehrende ökologi­
finden, wo bereits die richtigen Baumarten, Qualitäten
sche und ökonomische Chance, genetisch gut geeignete
und Mischungen vorhanden sind. Auf den übrigen
Pflanzenherkünfte der Baumarten einzubringen. Nach die-
Flächen soll soweit wie möglich unter dem Schirm alter
ser Umbauphase ist davon auszugehen, dass der Anteil der
Bäume gepflanzt werden.
künstlichen Verjüngung noch deutlich absinken wird.
Die Verjüngung im Schatten der Altbäume verbietet
Abb. 4: Entstehungsart der Verjüngung
sich aber bei sehr lichtbedürftigen Baumarten, dies
gilt beispielsweise für die Eiche. Hier müssen kleinere
40 000
Lärche
Kiefer
Flächen bis zu einem Hektar geschaffen werden, um
35 000
Douglasie
der neuen Generation ein optimales Lichtklima zu
30 000
Fichte
geben.
Aln.2
25 000
Alh.1
Buche
20 000
Eiche
15 000
10 000
Bisher erreichte Ergebnisse
5 000
0
Aktuell befinden sich fast 58 000 ha des Landeswaldes in
unbekannt
aus Pflanzung
aus Naturver-
aus Naturver-
jüngung
jüngung und Saat
Verjüngung. Wie Abbildung 4 zeigt, stammen 64 % der
Entstehungsarten
Verjüngung aus natürlicher Ansamung, überwiegend von
1 Andere Laubhölzer mit hoher Umtriebszeit, 2 Andere Laubhölzer mit niedriger Umtriebszeit
Buche sowie 26 % aus Pflanzung.
In den nächsten Jahrzehnten werden rund 50 % der Lan-
desforsten in standortgemäße und leistungsfähige Wälder
Im Landeswald werden auf mehr als 2 800 ha ausgewähltes
entwickelt. Der Naturverjüngungsanteil an der Bestandes-
und auf gut 150 ha qualifiziertes und geprüftes Vermeh-
begründung hat sich in den letzten 25 Jahren von 10 % auf
rungsgut gewonnen. Die Saatgutberatungsstelle im Nieder­
über 50 % erhöht. Häufigere Fruchtbildungen insbesondere
sächsischen Forstamt Oerrel erntet und lagert dieses
bei Buche und Eiche, die gezielte Annahme der Verjüngung
hochwertige Saatgut und versorgt damit die Baumschulen.
sowie der geringere Wildverbiss durch eine konsequente
Jagd führten zu dieser erfreulichen Steigerung. Durch die
Im Durchschnitt der letzten Jahre wurden im Landeswald
Naturverjüngung können auch teure Pflanzungen und
jährlich etwa 3 - 4 Millionen junge Bäume im Zuge von
Saaten eingespart werden.
LÖWE gesät oder gepflanzt.
14
LÖWE Verbesserung des Waldgefüges
Wissenswertes
GRUNDSATZ
5
Bei allem Bestreben um möglichst stabile und struktur-
Verbesserung des
reiche Waldaufbauformen sollte man nicht vergessen,
dass gerade die mitteleuropäischen Wälder oft, abhän-
Waldgefüges
gig von der führenden Baumart, eine natürliche Ten-
denz zur Einschichtigkeit im Alter haben. Je konkurrenz-
schwächer eine Baumart (z. B. Eiche und Kirsche) ist,
umso schneller wird sie von den konkurrenzstarken
Das Waldgefüge wird entscheidend von der Baumarten­
Baumarten wie Buche und Fichte verdrängt. Um den-
mischung und der Waldstruktur beeinflusst. Die Stabilität
noch eine breite Palette an Mischbaumarten in den
des Waldes und das Angebot an ökologischen Nischen hän-
Wäldern zu beteiligen, sind pflegende Eingriffe im
gen zum einen von den unterschiedlichen Eigenschaften
Zuge der naturnahen Forstwirtschaft zwingend.
der Baumarten und zum anderen von den vielfältigen
Strukturen ab. Die Bäume sollen also unterschiedlich dick
Ferner kommen auch in Naturwäldern gravierende
und hoch sein sowie in idealer Weise in einem Wechsel
Störungen bis hin zu katastrophalen Zusammen­
zwischen jung und alt kleinräumig nebeneinander stehen.
brüchen vor. Mithin ist auch eine Kahlfläche nicht
Diese Waldstrukturen lassen sich nur in einem Dauer-
per se „unökologisch“. Bestimmte bedrohte Pflanzen-
wald erreichen, weshalb größere Kahlflächen möglichst zu
und Tierarten sind sogar an Freiflächen im Wald ge-
vermeiden sind. Lediglich zur Verjüngung lichtliebender
bunden. Wohl aber ist richtig, dass für das Gleichmaß
Baumarten, z. B. der Eiche, sind Freiflächen weiterhin hilf-
von Nährstoff-Flüssen, für das Waldklima und für
reich und notwendig, um deren Anteil am Waldaufbau
viele Lebewesen des Waldes jede größere Kahlfläche,
langfristig zu sichern. Ansonsten sind kleinflächige Kahl-
gleichgültig ob natürlich oder künstlich, als nachteilig
schläge in der forstlichen Praxis anerkannt, wenn un-
einzustufen ist.
geeignete Bestockungen nicht auf eine andere Weise in
standortgemäße Mischwälder umgewandelt werden können.
15
Gesundes Waldg
Aus der Vielzahl in der Natur vorkommenden und sukzessio­
Die horizontale und vertikale Struktur des Landeswaldes
nal auftretenden Waldstrukturen soll der Waldbau in den
wird aber bereits weit vor der Hiebsreife der Bestände,
Landesforsten jene verwirklichen und erhalten, die am risiko-
durch Herauspflegen besonderer Strukturelemente in allen
ärmsten und vielfältigsten sind. Das sind vertikal gestaffel-
Altersphasen und Voranbauten unter dem Altbestands-
te und kleinflächig abwechselnde Bestandesformen.
schirm, entwickelt.
Bisher erreichte Ergebnisse
Das Waldgefüge wird am besten durch die behutsame Um-
formung der vorhandenen Waldbestockung verbessert. Die
weitgehende Vermeidung kahlschlagartiger Nutzung der
Abb. 5: Arten der Waldverjüngung
erntereifen Bäume sichert dauerwaldartige Waldstrukturen
1978 - 2006
und Stoffflüsse. In den letzten Jahren ist entsprechend die-
100 %
sem LÖWE-Grundsatz die Freiflächenverjüngung nach Kahl-
schlag, Sturmwurf oder Waldbrand von fast 80 % auf unter
Vor-, Nach- und Unterbau
80 %
5 % zurückgegangen (siehe Abb. 5).
60 %
unter Schirm
40 %
Naturverjüngungen
20 %
Freifläche
Freiflächenkulturen
0
78
82
86
90
94
98
2002
2004
2006
Entwicklung der geplanten jährlichen Waldverjüngung
16
LÖWE Zielstärkennutzung
GRUNDSATZ
6 Zielstärkennutzung
Der Wald soll alt werden und soweit wie möglich einzel-
Mit der Zielstärke erreicht der Einzelbaum ökonomisch ge-
stamm- oder gruppenweise zum Zeitpunkt der Hiebsreife
sehen den Kulminationspunkt seines Holzwertes unter der
genutzt werden (Zielstärkennutzung).
Beachtung möglicher Holzentwertung, der Wuchsleistung
sowie notwendiger Verjüngungs-, Pflege- und Naturschutz-
Eine einzelstamm- bis gruppenweise Nutzung reifer und
maßnahmen. Sie kann nach örtlichen und zeitlichen Um-
alter Bäume unter weitgehendem Verzicht auf Kahlflächen
ständen variabel sein.
ist eine wesentliche Eingangsvoraussetzung für den Aufbau
günstiger Waldstrukturen und die Ausnutzung von Natur-
Wissenswertes
verjüngungsmöglichkeiten.
Trotz der Holzentnahme wächst im Landeswald mehr
Holz zu, als genutzt wird. Der derzeitige Holzvorrat
liegt nach aktueller Forsteinrichtung bei 257 Kubik­
metern Holz je Hektar und wird weiter anwachsen,
Zielstärkenrahmen
die Bundeswaldinventur geht heute sogar schon von
274 m3 je Hektar aus. Dies ist für das Waldökosystem
Baumart
erreichter Durchmesser
und die Umwelt vorteilhaft, denn vorratsreiche Wälder
Eiche
60 - 70 (80) cm
binden mehr CO2.
Buche
60+ (65) cm
Bergahorn, Esche, Kirsche
50 - 60 (65) cm
Fichte
45 + cm
Douglasie
50 - 70 cm
Dabei ist der Wert des Holzes häufig direkt korreliert mit
Kiefer
45 + cm
starken Stammdurchmessern, erfordert also eine frühe För-
Lärche
50 - 70 cm
derung der Zukunftsbäume. Holzwertminderungen infolge
Roterle
45 cm
zu hohen Alters müssen jedoch vermieden werden. Dieses
Birke
40 cm
Verfahren sichert dabei gleichzeitig eine Vielzahl von öko-
logischen Aspekten.
17
Die geernteten Bäume der Landesforste
Bisher erreichte Ergebnisse
Im Landeswald werden die hiebsreifen Bäume nach dem
Abb. 6: Alter Wald in den NLF (ohne Naturwälder)
Erreichen der Zielstärke individuell und nur noch in Aus­
nahmefällen flächig genutzt. Die Zielstärkenrahmen sind
12 000
für die einzelnen Waldentwicklungstypen festgelegt
3,4
(s. Tabelle).
10 000
8 000
Die Produktionszeiträume schwanken je nach Baumart,
Pflegeintensität, Wuchs- und Wertleistung zwischen 60
6 000
(z. B. Wildkirsche) und 240 Jahren (Eichenwertholz).
1,5
4 000
1,3
Der Anteil des zielstarken Holzes am Stammholzeinschlag
2 000
0,6
hat in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen, z. B. bei
der Buche von 25 auf 50 %, bei der Fichte von 28 auf 41 %.
0
1970
1980
1990
2007
Darin kommt zum Ausdruck, dass neben dem Älterwerden
Jahr
der Bäume auch eine gezielte Nutzung vorrangig auf starke
Eiche
Buche
Prozent der Gesamtfläche
Erntebäume im Landeswald Einzug gehalten hat.
Erstklassiges Kiefernwertholz am Holzlagerplatz
18
LÖWE Schutz bedrohter Arten
GRUNDSATZ
7 Erhaltung alter Bäume, Schutz
seltener und bedrohter Pflanzen- und Tierarten
Bei der selektiven Nutzung des Waldes sollen in vermehrtem
Wissenswertes
Umfang und möglichst flächendeckend alte und starke
Bäume einzeln, in Gruppen oder Kleinflächen erhalten wer-
Einige heimische Baumarten (Elsbeere, Speierling,
den. Der LÖWE-Wald trägt durch gezielten Nutzungsver-
Feld-, Flatter- und Bergulme, Sommer- und Winter­
zicht dazu bei, den sonst entstehenden Mangel an altem,
linde, Wildkirsche, Wildapfel, Wildbirne und Eibe) sind
starkem und totem Holzes zu verhindern.
von Natur aus selten oder in der historischen Wald-
entwicklung selten geworden und zum Teil in ihrem
Bestand bedroht. Da sie ganz erheblich zur Vielfalt der
Waldökosysteme beitragen, gilt es sie zu schützen und
wieder zu vermehren.
Abb. 7: Stehendes und liegendes Totholz
Über 12 m3 starkes Totholz je Hektar Wald (Landeswald)
Ferner ist auch anderen Tier- und Pflanzenarten, die
14,0
als selten und daher besonders wertvoll bekannt sind,
Eiche
Laubbäume
vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen, da der Wald
12,0
ohne Eiche
oft ihr einziges Refugium ist.
Nadelbäume
10,0
8,0
6,0
4,0
Diese Habitatbäume werden nicht genutzt, sondern ihrem
natürlichen Zerfall überlassen. Sie dienen als Lebensraum
2,0
für Tiere und Pflanzen in der Alterungs- und Zerfallsphase
0
stehend
Wurzelstöcke
liegend
Abfuhrrest alle Totholztypen
des Waldes (Baumhöhlenbewohner, Insekten, Pilze, Moose,
Flechten etc.). Für den Landeswald ist ein zusammenhän-
Totholztyp
gendes Netz von Habitatbäumen und Totholz zu entwickeln.
19
Tierart: Laubfrosch
Seltene Orchide
Auf der gesamten Landeswaldfläche kommen viele seltene
Außerdem erfasst die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchs-
oder bedrohte Pflanzen- und Tierarten vor. Die Landesfors-
anstalt im Zuge des Generhaltungsprogramms Restvorkom-
ten nehmen im Rahmen ihrer ökologisch ausgerichteten
men seltener oder besonders wertvoller Baum- und Strauch-
Waldbewirtschaftung besondere Rücksicht, um diese Arten
arten. Besonderes Augenmerk liegt auf den seltenen Arten
zu erhalten und zu fördern.
mit weniger als 1 % Anteil am Waldaufbau. Die extrem
Seltene und in ihrem Bestand bedrohte heimische
seltenen Arten (Wildapfel, Wildbirne, Schwarzpappel und
Baumarten sollen auf geeigneten Standorten gezielt nach­
Feldulme) wurden alle nach gefundenen Vorkommen er-
gezogen werden. Ihr genetisches Potential ist zu sichern.
fasst. Bei der Erhaltung dieser Arten steht eine Förderung
durch waldbauliche Maßnahmen vor Ort im Vordergrund.
Bisher erreichte Ergebnisse
Bei seltenen Arten mit zerstreuten Einzelvorkommen ist ein
Mit der Einführung des Habitatbaumkonzeptes in den Lan-
Zusammenführen auf Samenplantagen erforderlich, um die
desforsten und der tatsächlichen Festlegung der Habitat-
Produktion von genetisch vielfältigem Saatgut zu ermög­
bäume in den Wäldern ist das LÖWE-Leitbild weitgehend
lichen.
umgesetzt.
Rund 3,1 Mio. Kubikmeter sind im Landeswald in Habitat-
baumgruppen, Habitatbäumen und im Naturwald aus-
gewiesen (Abb. 8). Damit ist das Ziel, von im Durchschnitt
Abb. 8: Habitatbaumkonzept und Naturwald
5 Bäumen je Hektar älterer Bestände, mehr als erreicht. Ohne
die Naturwälder sind in Beständen, die älter als 100 Jahre
3 500 000
sind, 12 % des Holzvorrates auf diese Weise festgelegt.
3 000 000
Neben den noch lebenden Habitatbäumen gibt es natür­
lich auch Totholz. Im Durchschnitt bleiben im Landeswald
2 500 000
(inkl. Nationalpark) rund 12 Kubikmeter je ha bzw. insge-
2 000 000
samt fast 4 Mio. Kubikmeter Totholz als Lebensraum für die
1 500 000
Holzzersetzer im Wald stehen und liegen (Abb. 7).
Im Landeswald wurde in den Jahren 1990 bis 2006 vom
1 000 000
Niedersächsischen Forstplanungsamt eine Waldbiotop­
500 000
kartierung in Abstimmung mit der Naturschutzverwaltung
durchgeführt. Neben Sonderbiotopen sind dabei auch Vor-
0
Gesamt
Wirtschaftswald
Naturwald
kommen seltener Pflanzen- und Tierarten erfasst worden.
Waldart
Die Ergebnisse mündeten in die Schutz-, Pflege- und Ent-
Laubbäume
Nadelbäume
wicklungsmaßnahmen für die Waldflächen ein.
20
LÖWE Waldschutzgebiete
GRUNDSATZ
8
Aufbau eines Netzes von Waldschutzgebieten
In angemessenem Umfang und repräsentativer Auswahl
Bisher erreichte Ergebnisse
sollen Waldflächen für typische und seltene Waldgesell-
Die Niedersächsischen Landesforsten haben auf 30 % der
schaften gesichert werden, die nicht oder nur mit beson-
Landeswaldfläche ein umfassendes Konzept von Wald-
deren Auflagen bewirtschaftet werden. Dazu werden in
schutzgebieten und Sonderbiotopen zusammen mit der
Selbstbindung Schutzgebiete eingerichtet.
Naturschutzverwaltung erarbeitet und umgesetzt.
Naturwälder werden nicht mehr bewirtschaftet, hier
Des Weiteren wurden auf einer Fläche von 83 370 ha
ruht die Holznutzung. Auf diese Weise sollen sich die Alte-
Natura-2000-Gebietsflächen ausgewiesen. Dies entspricht
rungs- und Zerfallphasen des Waldes mit ihren besonderen
ca. 25 % der Landeswaldfläche.
Lebensgemeinschaften entwickeln können, wodurch zudem
Aktuell sind auf 27 933 ha Naturschutzgebiete aus­
wissenschaftlich wertvolle Beobachtungsobjekte gesichert
gewiesen, die in großen Teilen in Natura-2000-Gebieten
werden.
liegen.
Nach folgenden Schutzkategorien wurden für die einzelnen
Naturräume des Landes repräsentative Landeswaldflächen
ausgewählt (Abb.9).
Wissenswertes
Im Laufe der Entwicklung nach den Eiszeiten haben
sich in den sehr unterschiedlichen Wuchsräumen
Niedersachsens verschiedene natürliche Waldgesell-
schaften herausgebildet, die heute noch vorhanden
sind. Unbeschadet der Verwirklichung eines ökologisch
ausgerichteten Waldbaus auf der Gesamtfläche des
Landeswaldes soll eine repräsentative Auswahl dieser
naturnahen Waldbestände als Waldschutzgebiete ge-
sichert werden. Die forstliche Bewirtschaftung soll hier
in besonderem Maße auf die Ziele des Naturschutzes
ausgerichtet werden.
Darüber hinaus soll in Naturwäldern die Holznut­
zung vollständig ruhen. Dort sollen sich alle Waldent-
wicklungsphasen mit ihren besonderen Lebensgemein-
Unabhängig davon sind die durch das Naturschutzgesetz be-
schaften entwickeln können und wissenschaftlich be-
sonders geschützten Biotope zu erhalten. Darüber hinaus
obachtet werden. Die Erkenntnisse finden Anwendung
sollen seltene und wertvolle Einzelbiotope auch unab­
im naturnahen Waldbau und im Ökosystemschutz.
hängig vom gesetzlichen Schutz bei der Waldpflege beach­
Zusätzlich sollen in Waldschutzgebieten beispiel-
tet und geschont werden. Außerhalb des gesetzlichen
haft Überreste historischer Waldnutzungsformen wie
Schutzes zu schützende Einzelbiotope können z. B. Brutvor-
Nieder-, Mittel- und Hutewälder geschützt und ge-
kommen seltener Vögel oder Wuchsorte gefährdeter Pflan-
pflegt werden.
zenarten sein.
21
Standortgerech
Sonderbiotope wi
Naturwälder repräsentieren die wichtigsten Standorte und
Unter der Kategorie bewaldete Sonderbiotope auf 9 365 ha
natürliche Waldgesellschaften Niedersachsens. Sie bleiben
sind zum Teil gesetzlich geschützte meist kleinflächige
ihrer eigendynamischen Entwicklung ohne jede Nutzung
Quellfluren, Bachauewälder, Bruch-, Schlucht- und Trocken­
überlassen. Sie umfassen 4 400 ha.
wälder sowie andere Biotope seltener Pflanzen- und Tier-
Naturwirtschaftswälder repräsentieren auf insgesamt
arten zusammengefasst. Außerdem werden mit dem Schutz-
57 213 ha ebenfalls die natürliche Waldgesellschaft in den
konzept im Landeswald liegende waldfreie Sonderbiotope
einzelnen Naturräumen. Sie werden nur mit den gesellschafts-
wie z. B. Moore, Trockenrasen, Heiden und Feuchtwiesen
heimischen Baumarten bewirtschaftet und damit ihre Lebens-
auf 4 979 ha gesichert.
gemeinschaften noch großflächiger erhalten und entwickelt.
Als lichte Wirtschaftswälder auf 5 761 ha wurden vor allem
Abb. 9: Waldschutzgebiete und Sonderbiotope
Eichenwälder auf Standorten ausgewählt, die natürlicher
Weise von Buchenwäldern geprägt sein würden. Diese lich-
Naturwirtschaftswald 57 213 ha
Kulturhistorischer
ten Eichenwälder haben eine gut ausgebildete Kraut- und
Wald 371 ha
Strauchschicht mit einer Habitattradition für spezialisierte
Nationalpark
Pflanzen- und Tierarten. Diese soll gegenüber dem natür-
Harz 15 675 ha
lichen Vordringen der Buche durch weitere Bewirtschaf-
tung mit der Eiche gesichert werden.
Naturwald
bewaldete Sonderbiotope
Im Kulturhistorischen Wald werden historische Waldwirt-
4 400 ha
lichter Wirtschafts­
und Habitate 9 365 ha
wald 5 761 ha
schaftsformen wie Hute- und Mittelwälder wegen ihrer
besonderen Lebensgemeinschaften und der speziellen
waldfreie Sonderbiotope
Generhaltungswälder
Landschaftscharakteristik beispielhaft auf 371 ha wieder
und Habitate 4 979 ha
5 365 ha
belebt und so erhalten.
22
LÖWE Waldfunktionen
GRUNDSATZ
9
Gewährleistung besonderer Waldfunktionen
Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die verschiedenen
Der Landeswald erfüllt auf großen Flächenanteilen heraus-
Waldfunktionen umso besser erfüllt werden können, je
ragende Wasser-, Boden-, Klima-, Immissions- und Erholungs-
naturnäher die Waldbewirtschaftung durchgeführt wird.
funktionen (Abb. 10).
Zudem können bestimmte Funktionen örtlich oder auch
zeitlich ein besonderes Schwergewicht erhalten.
Abb. 10: Landeswald mit besonderen Funktionen
Kann also die einzelne Waldfunktion wie Wasser-, Boden-,
Trinkwasserschutzgebiete;
Klima-, Sicht-, Immissions-, Lärm- und Biotopschutz sowie
31 %, 107 583 ha
die Erholungsfunktion des Waldes mit der Entwicklung
Bodenschutzwald;
eines ökologischen Waldbaus nicht im ausreichendem
3 %, 11 000 ha
Maße gewährleistet werden, ist die örtlich herausgehobene
Klimaschutzwald;
9 %, 30 000 ha
Funktion besonders zu entwickeln.
Lärm-, Sicht-, sonstiger Immissions-
schutzwald; 5 %, 18 000 ha
Die planerische Grundlage dazu geben neben dem Raum-
0 %
10%
20%
30 %
40 %
50 %
60 %
70%
ordnungsprogramm, die Bauleitpläne, die Landschafts­
pläne, die Biotopkartierung sowie die Waldfunktionen- und
die Waldbiotopkartierung der Niedersächsischen Landes-
forsten. Schutzfunktionen dürfen durch die Erholungsfunk-
tion nicht gefährdet werden.
Die Bedeutung des Waldes als Trinkwasser-Lieferant ist in
den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Die Nieder-
sächsischen Landesforsten haben beispielsweise mit dem
Bisher erreichte Ergebnisse
Oldenburg-Ostfriesischen Wasserverband seit 1989 gut
Die Waldfunktionenkarte, in der die Waldteile mit besonde­
1 500 ha Ackerflächen durch Aufforstung in Trinkwasser-
ren Schutz- oder Erholungsfunktionen erfasst sind, wurde
wälder umgewandelt, um so zur Wasserverbesserung bei-
in den letzten Jahren aktualisiert. 69 der 99 Blätter im Maß-
zugetragen. Der angestrebte LÖWE-Mischwald wird die
stab 1 : 50 000 wurden neu bearbeitet. Die Waldfunktionen-
Trinkwasserbildung weiter verbessern.
karte ist verbindliche Grundlage für die Planung und Bewirt­
Der Niedersächsische Landeswald ist ein wichtiger Spei-
schaftung des Landeswaldes.
cher des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlenstoffdioxid.
23
Zahlreiche Reit- und
Die nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung als
Neben den allgemeinen Waldfunktionen und Leistungen
Dauerwald sichert die weitere Funktion als Kohlenstoffsen-
des Niedersächsischen Landeswaldes bieten die Landes­
ke. Allein die heutigen Holzvorräte werden in den nächsten
forsten weitere vermarktungsfähige Produkte z. B. im Be-
Jahren auf 85 Mio. Kubikmeter ansteigen.
reich der Naturdienstleistungen an. Hierbei handelt es sich
Die nachhaltige Nutzung des Holzes und seine Verwen-
beispielsweise um Kompensationsmaßnahmen oberhalb
dung als Brenn- und Baustoff tragen außerdem durch den
des üblichen LÖWE-Standards.
Ersatz fossiler Energieträger und energieintensiver Bau­
Über das Gemeinwohl hinausgehende marktfähige Leis-
stoffe zur Emissionsminderung bei.
tungen des Waldes für besondere Waldfunktionen sollen
von den NLF wirtschaftlich genutzt werden.
Wissenswertes
Sonderbiotope sollen als Lebensstätten seltener Lebens­
Immissionsschutzwald soll schädliche oder belästigende
gemeinschaften, Pflanzen- oder Tierarten erhalten und
Immissionen von Staub, Aerosolen, Gasen und Strahlen
entwickelt werden. Sie ergänzen die auf der gesamten
durch Sedimentation, Ausfilterung oder Absorption der
Waldfläche zu treffenden Maßnahmen zum Schutz von
Schadpartikel mindern sowie bodennahe mit höheren
Tier- und Pflanzenarten sowie ganzer Lebensgemein-
Luftschichten durchmischen, um damit Wohn-, Arbeits-
schaften.
und Erholungsbereiche, land- und forstwirtschaftliche
Wasserschutzwald dient dem Erhalt der Wassergüte
Nutzflächen vor Nachteilen zu bewahren und die Luft-
und der Stetigkeit des Wasserangebots. Zum Wasser­
qualität zu verbessern.
schutzwald gehören Waldflächen in Wasserschutzzonen,
Lärmschutzwald dient der Lärmminderung insbe-
in Schutzbereichen vorhandener Trinkwasser-Gewin-
sondere an Verkehrsanlagen. Wald kann die Lärmbeläs-
nungsanlangen und in festgelegten Heilquellen-Schutzge-
tigung auf weniger als die Hälfte verringern.
bieten.
Bodenschutzwald soll seinen Standort oder andere
Klimaschutzwald soll Wohngebiete, Heil- und Erho-
Objekte vor Erosionen, Verwehungen, Auswehungen,
lungsanlagen sowie Sonderkulturen aller Art vor Kaltluft-
Steinschlag und Rutschungen schützen. Der standortge-
schäden, nachteiligen Windeinwirkungen und Stockungen
mäße Wirtschaftswald gewährleistet in der Regel aus-
des Luftaustausches bewahren.
reichenden Bodenschutz.
Sichtschutzwald soll Objekte verdecken, die das Land-
Die Erholungsfunktion kann eine abweichende
schaftsbild erheblich stören. Immergrüne stammzahlreiche
Gestaltung besonderer Anziehungspunkte, der Wald­
Nadelbaumbestände sichern diese Funktion ganzjährig
ränder an Wegen und Wasserläufen oder -flächen und
und mit dem geringsten Flächenaufwand.
besondere Erholungseinrichtungen nötig machen.
24
LÖWE Waldrandgestaltung
GRUNDSATZ 10
Waldrandgestaltung und -pflege
Die Bestandesränder innerhalb des Waldes entlang von We-
Wissenswertes
gen sind vielgestaltig zu entwickeln.
Alle Waldränder haben eine erhöhte Artenvielfalt
an Pflanzen und Tieren (Randlinieneffekt), die es zu
Bisher erreichte Ergebnisse
schützen und zu pflegen gilt.
Der Landeswald weist nach der letzten Bundeswaldinventur
Waldränder leisten einen wichtigen Beitrag für den
eine Außenrandlänge von rund 5 600 km auf, das entspricht
Arten-, Klima- und Bodenschutz sowie für den Immis-
18 laufenden Metern je ha. Der Wald grenzt überwiegend
sions- und Lärmschutz. Sie dienen vielen Tieren vor
an landwirtschaftliche Nutzflächen, jedoch auch zu 24 % an
allem Insekten und Singvögeln als Lebensraum, und
öffentliche Straßen, Bahnlinien und Siedlungen an (Abb. 11).
schützen den Wald vor Stürmen, Aushagerung und an-
deren biotischen und abiotischen Schäden.
Waldränder bereichern das Landschaftsbild und
Abb.11: Dem Landeswald vorgelagerte Nutzungen
verbessern die Erholungsfunktion.
Grünland
Acker
51 %
21 %
Im Zuge der LÖWE-Entwicklung sind Waldränder besonders
zu pflegen. In der Regel sollen sie in angemessener Tiefe
aus heimischen Kraut-, Strauch- und Baumarten abwechs-
lungsreich, zur Feldflur hin stufig aufgebaut und dauernd
bestockt gehalten werden. Richtig aufgebaute Waldaußen-
Gewässer, Moore,
Siedlungs-, Verkehrs-
ränder schützen als Nahtstellen zwischen Wald und offener
sonst. extensiv
und Gewerbeflächen
genutzte Flächen 4 %
Landschaft das Innere des Waldes und die vorgelagerten
24 %
Bereiche. Außerdem sind sie wichtiger Lebensraum für
5 572 km Waldaußenrand
Tiere und Pflanzen. Pflegeeingriffe sind auf den Schutz der
konkurrenzschwächeren Pflanzenarten auszurichten.
Allgemein gilt, dass ein lockerer, stufig aufgebauter
Waldrand die vielfältigen Aufgaben besser erfüllt. Dabei ist
Außen- und Innenränder werden regelmäßig und indivi­
möglichst die natürlich vorkommende Bodenvegetation zu
duell durch die Niedersächsischen Forstämter gepflegt. Ins-
erhalten und zu fördern. Zusätzliche Einbuchtungen können
besondere entlang von Fließ- und Stillgewässern wurden
die positive Wirkung noch verstärken.
standortsfremde störende Bestockungen zurückgenommen.
25
Mit ihren abwechslungsreichen Kraut-, Strauch-
Aufbau von Waldrändern
genden Strauchgürtel mit den verschiedensten Sträuchern
Ein optimal aufgebauter Waldrand zeichnet sich durch
wie z. B. Kreuzdorn, Liguster und Schwarzdorn und einen
einen vorgelagerten Krautsaum bestehend aus verschie-
Waldmantel aus konkurrenzschwächeren Bäumen aus, der
denen Gräsern und krautigen Pflanzen, einen nachfol-
fließend in den Hauptbestand übergeht.
Abb.12: Gestufter Waldrand
Abb.13: Geschlossener Waldrand
Kann der Wind am Waldrand
Ein dicht geschlossener Waldrand wirkt
gleichmäßig aufgleiten, ist die
wie eine Mauer. Der Wind steigt an ihr auf
Gefahr von Windwurf- oder
und stößt mit den oberen Luftmassen
Bruchgefahr deutlich geringer.
zusammen. Hier kommt es dann zu
einer Verwirbelung, die bei hohen
Windgeschwindigkeiten zu
Windwurf oder auch -bruch
führen kann.
Krautsaum Strauchgürtel
Waldmantel
Hauptbestand
Hauptbestand
Als Nahtstelle zwischen offener Landschaft und Wald schützen Waldränder das Innere des Waldes
26
LÖWE Ökologischer Waldschutz
GRUNDSATZ 11
Ökologischer Waldschutz
Waldökosysteme sind immer Naturereignissen unterworfen.
Der ökologische Waldschutz genießt Vorrang vor allen
Die Maßnahmen in den bereits beschriebenen LÖWE-Grund-
technischen und chemischen Maßnahmen. Diesem Grund-
sätzen dienen dazu, die Stabilität, die Widerstandskraft
satz entspricht als vorbeugende Maßnahme die Entwick-
und die Sicherheit des Landeswaldes gegenüber Sturm,
lung und Pflege einer dem Standort angepassten, größt-
Waldbrand, Schneebruch, Insekten und Pilzen zu erhöhen.
möglichen Arten- und Strukturvielfalt von Mischwäldern.
Dennoch wird es auch in Zukunft immer wieder Situationen
Der Einsatz ökosystemfremder Stoffe zur Abwehr von
geben, in denen zusätzlich Waldschutzmaßnahmen not-
Schäden ist nur zulässig, wenn eine existentielle Gefähr-
wendig sind, um die Waldfunktionen in ihrer Gesamtheit
dung von Beständen und Wäldern und ihrer Funktionen
zu sichern.
besteht.
Wo Waldkalkungen notwendig sind, erfolgen sie umweltverträglich
27
n
Wertholz wird entrindet zum Schutz gegen Ri
Deren Verwendung erfolgt nach dem Prinzip der relativ
Die Verjüngung unter dem Schirm des Altbestandes be-
höchsten Umweltverträglichkeit. Daher sind biotechnische
grenzt den konkurrierenden Graswuchs und erlaubt so den
Maßnahmen zu bevorzugen. Soweit sie nicht zur Ver­
weitgehenden Verzicht auf Herbizideinsätze. Ein weiterer
fügung stehen oder nicht ausreichend sind, werden selektiv
Effekt ist die natürliche Begrenzung von forstschädlichen
wirkende Pflanzenschutzmittel zum Einsatz gebracht.
Nagetieren (Erd-, Scher- und Feldmaus) und vor Frostschäden.
Die Menge der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel
Wissenswertes
konnten im letzten Jahrzehnt deutlich reduziert werden
Leitgedanke eines ökologisch ausgerichteten Wald-
(Abb. 14). Der großflächige Einsatz chemischer Mittel
schutzes ist es, chemische Mittel erst dann zu ver-
(Herbizide, Insektizide) ist nur noch auf wenige Extrem­
wenden, wenn durch biologische und biotechnische
situationen begrenzt.
Maßnahmen eine effektive Ausschaltung oder Be-
grenzung der Bedrohung nicht mehr möglich ist.
Dabei ist eine Risikoabschätzung für Mensch und
Umwelt unabdingbar.
Abb. 14: Einsatz chemischer Wirkstoffe
Bisher erreichte Ergebnisse
ausgebracht auf 340 000 ha Landeswald von 1993 - 2006
1 200
Die zunehmend verbesserte Waldstruktur vermindert die
Anfälligkeit des Waldes gegenüber Massenvermehrungen
1 000
von Schädlingen. Solange aber in der Waldumbauphase
800
noch ausgedehnte Nadelbaumreinbestände existieren, wer-
den auch immer wieder Kalamitäten z. B. durch den Fichten-
600
borkenkäfer oder die Nonne auftreten. In solchen Fällen ist
400
das konsequente Anwenden einer integrierten und abge-
200
stuften Borkenkäferbekämpfung unumgänglich, will man
nicht große Waldkomplexe kollabieren lassen. Das Anpas-
0
sen der betrieblichen Abläufe (Holzeinschlagsplanung, Auf-
arbeitungsgrundsätze) konnte den Anfall von Schadholz
Rodentizide
Fungizide
Insektizide
Herbizide
erheblich verringern.
28
LÖWE Wildbewirtschaftung
GRUNDSATZ 12
Ökosystemverträgliche Wildbewirtschaftung
In Übereinstimmung mit den jagdrechtlichen Bestimmun-
Wissenswertes
gen sind die Wildbestände als Teil der Waldlebensgemein-
schaft zu hegen. Das Jagdgesetz schreibt vor, dass die Hege
In der Kulturlandschaft fehlt es an natürlichen Regu­
des Wildes so durchzuführen ist, dass Beeinträchtigungen
latoren insbesondere für das Schalenwild. Deshalb
einer ordnungsgemäßen forstwirtschaftlichen Nutzung,
besteht eine Notwendigkeit zur Bejagung. Der Maß-
insbesondere durch Wildschäden, möglichst vermieden
stab für ökosystemgerechte Populationsstärken ist die
werden.
Verbiss- bzw. Schälbelastung der Bodenvegetation und
der Hauptbaumarten. Letztere sollen ohne Zaun ver-
Die Entwicklung eines ökologischen Waldaufbaus würde
jüngt werden können.
ganz besonders durch überhöhte Wildbestände gefährdet
Die angewandten Jagdmethoden sollten dem
werden. Die Landesforsten setzen deshalb auf eine ziel­
bekannten spezifischen Verhalten der Wildarten ent-
gerichtete und konsequente Bejagung vor allem der
sprechen.
Schalenwildarten.
Neben dem Effekt einer ökosystemverträglichen Wild­
bewirtschaftung produzieren die Niedersächsischen Lan-
Frisches Wildfleisch aus den Landesforsten ist im Handel
desforsten damit auch ein hochwertiges Lebensmittel.
oder über die 26 Forstämter zu beziehen.
LÖWE Wildbewirtschaftung
29
Standortgerech
Das Jagdh
Dies ist im Tiefland überall oder in kleinen Forstorten noch
nicht möglich.
Die Kosten für Zaunbau, sonstige Verbissschutzmaßnah-
men sowie zum Schutz gegen Schälschäden konnten seit
1990 um über 67 % gesenkt werden.
Die Lebensbedingungen für das Wild wurden dadurch ver-
bessert, dass Ruhezonen und Äsungsflächen geschaffen,
Verbissgehölze belassen und weniger störende Jagdmetho-
den vorgezogen werden.
Planvolles Vorgehen gehört zum verantwortungsvollen Jagen
Unentbehrliche Begleiter bei der Drückjagd: Die Hundemeute
Bisher erreichte Ergebnisse
Die Bestände von Rot-, Dam-, Muffel- und Rehwild im
Landeswald konnten seit den 1990er Jahren zunehmend
den landeskulturellen und wildbiologischen Verhältnissen
angepasst werden. In den großen Landeswäldern z. B. des
Harzes und Sollings können im Gegensatz zu der Zeit vor
1991 die Hauptbaumarten mit Ausnahme der Eiche in der
Regel jetzt ohne Zaunschutz aus dem Verbiss des Wildes
herauswachsen und damit den Umbau in naturnähere Struk-
turen mit vertretbarem Aufwand beschleunigen.
30
LÖWE Ökologische Forsttechnik
GRUNDSATZ
13
Ökologisch verträglicher Einsatz der Forsttechnik
Die Pflege des Waldes soll behutsam die natürlichen und
Wissenswertes
dynamischen Prozesse steuern. Die Forsttechnik hat sich
an den ökologischen Erfordernissen auszurichten. Es sind
Auch in einer naturnahen Forstwirtschaft ist die
Verfahren anzuwenden, die die Waldböden und die Wald­
Forsttechnik die zentrale Voraussetzung für die Holz-
bestände in ihrer Struktur- und Artenvielfalt schonen.
ernte. Sie hat aber Rücksicht zu nehmen auf die öko-
logischen Belange und die gesundheitlichen Inte­
Ziel muss es sein, die Entwicklung des Waldes dort, wo er
ressen der Bediensteten. Ihr Einsatz muss besonders
schon standortgemäß ist, unter Nutzung seiner eigenen
den Bodenschutz und die vielfältigen Strukturen des
Entwicklungskräfte zielbewusst und Kosten sparend so zu
Waldes im Auge haben.
steuern, dass möglichst wenig zusätzlicher technischer Auf-
wand erforderlich wird. Trotzdem stellt die Forsttechnik
ein unverzichtbares Mittel zur Gestaltung und Pflege des
Waldes dar.
Bisher erreichte Ergebnisse
Im Zuge des LÖWE-Waldbaus konnten die technischen Ein-
Gewisse Probleme bereitet die von der Holzindustrie ge-
griffe bei der Jungwuchs- und Jungbestandspflege deutlich
forderte laufende Belieferung mit frischem Holz während
gesenkt werden. Für die Durchforstungen und Zielstärken­
des ganzen Jahres, also auch bei sehr nassem Wetter. Die
nutzungen ist die Technik seit 1990 im Bereich der Holz­
Erschließungslinien und -wege können dadurch Schäden
ernte- und -rückesystemen fortgeschritten. Voraussetzung
durch tiefe Fahrspuren erleiden. Der Forstbetrieb muss in
für eine grundsätzlich bestandes- und bodenpflegliche
diesen Zeiten auf weniger empfindliche Böden und Bestän-
Erntetechnik im Dauerwald ist ein festes Netz von Er­
de ausweichen.
schließungslinien und Rückewegen.
Diese allein dürfen mit den Erntemaschinen befahren wer-
den, so dass das ganzflächige Befahren im Landeswald der
31
Das Waldentwicklungsprogramm wird
Stabile Mischwälder für die Zukunft
Ausblick
Viele Wälder befinden sich noch im Zustand von Pionier-
Allerdings sind, angesichts der aktuellen Klimaszenarien
bestockungen nach Heide- und Ödlandaufforstungen oder
mit extremen Trockenphasen in den Sommermonaten, die
bestehen aus nicht Standort angepassten Baumarten. Ihre
langfristigen Entscheidungen der Baumartenwahl beson-
Entwicklung in naturnahe Waldformen soll nicht durch
ders sorgfältig zu treffen. Auf den mäßig frischen Stand­
abrupte, sondern fließende Übergänge erfolgen. Das Um-
orten werden Eiche und auch Douglasie stärker eingebracht
setzen des LÖWE- Programms ist also ein sehr langfristiger
werden, auch den Edellaubbaumarten muss eine zunehmen­
Entwicklungsprozess und wird noch viele Jahrzehnte an-
de Bedeutung beigemessen werden. Die Buche könnte auf
dauern.
trockenen Standorten etwas an Bedeutung verlieren.
Grundsätzlich werden die Niedersächsischen Landesfors-
Die LÖWE-Grundsätze fließen nunmehr seit über 15 Jahren
ten mit ihren 340 000 ha Wald also auf eine breit angelegte
systematisch in die Forstbetriebsplanung der Niedersäch-
Baumartenpalette in Mischbeständen setzen, allerdings
sischen Landesforsten ein. Die Forstämter setzten diese
mit etwas veränderten Akzenten als in den ersten 15 Jahren
konsequent in der Arbeit vor Ort um.
von LÖWE. Nur so lassen sich hoffentlich flächenhafte Kalami-
Seit 2001 ist der Landeswald nach PEFC zertifiziert. Er
täten in den Wäldern von morgen vermeiden und gleich­
unterliegt damit einer unabhängigen Kontrolle der aktu-
zeitig die ökologischen, sozialen sowie ökonomischen An-
ellen Standarts ökologischer, ökonomischer und sozialer
forderungen unserer Gesellschaft zukunftssicher erfüllen.
Nachhaltigkeit.
Gleichzeitig leistet der LÖWE-Wald einen hohen Bei-
In den Jahren seit Einführung der LÖWE-Prinzipien wur-
trag zum Klimaschutz. Durch die Möglichkeit des Waldes,
den fast 150 Mio. Bäume gepflanzt, jährlich ca. 4 - 7 Mio.
klimaschädliches CO2 als Kohlenstoff zu speichern, ist der
Euro in den Waldumbau investiert.
Rohstoff Holz auf Grund seiner Energiebilanz anderen
Rohstoffen weit überlegen. Da in den Wäldern der Nieder­
Der Leitgedanke von LÖWE, der auf stabile Mischwälder
sächsischen Landesforsten höchstens so viel Biomasse ent-
mit einer breiten Artenvielfalt setzt, bekommt mit dem
nommen wird, wie nachwächst, dient diese nachhaltige
absehbaren Klimawandel eine neue Bedeutung. Der ein­
Produktion im besonderen Maße dem Klimaschutz. Über
geschlagene Weg, mit LÖWE naturnahe Forstwirtschaft zu
das natürliche Alter eines Baumes hinaus kann das CO2 in
betreiben, zeigt sich in diesem Zusammenhang als richtig
Holzprodukten, wie z. B. in Möbeln und Dachstühlen, sehr
und zukunftsweisend.
langfristig gespeichert werden.
Herausgeber:
Gestaltung:
Niedersächsische Landesforsten,
HenryN., Braunschweig
Husarenstraße 75,
38102 Braunschweig
Druck:
Leinebergland, Alfeld (Leine)
Redaktion:
Niedersächsische Landesforsten,
Die Landesforsten im Internet:
Braunschweig,
www.landesforsten.de
HenryN., Braunschweig
Fotos:
Archiv NLF
(44)
Hollemann / DPA
(1)
Borris
(1)
Movit
(3)
Brzostowska / Fotolia
(1)
projekt-zwei
(11)
Hoffmeister
(3)
Sierigk
(7)